Nidelgret - Trauerlärm: gnadenloser Lärm zwischen Wut, Trauer und Wahnsinn

Release Reviews
Nidelgret © zVg. - 2025
Nidelgret © zVg. - 2025

Die Basler Black-Metal-Band Nidelgret – benannt nach einer düsteren Schweizer Sage über Wahnsinn, Hexerei und Teufelslärm – verbindet auf ihrem Debütalbum Trauerlärm rohe Wut mit kalter Beklemmung. Statt epischer Klanglandschaften liefert die Band einen kompromisslosen Ausnahmezustand aus Raserei, Lärm und emotionaler Erschöpfung.

Album Review

Die «Nidelgret» – also gewissermassen die «Sahne-Margarethe» auf Hochdeutsch – klingt erstmal eher nach einer etwas grimmigen Urner Alp-Oma mit besonders gutem Milchprodukt-Sortiment als nach einer Black-Metal-Band. Dass sich hinter dem Namen allerdings eine düstere Schweizer Sage über Hexerei, Wahnsinn, Teufelslärm und kollektive Angst verbirgt, macht die Sache schon deutlich interessanter. Und genau diese Mischung aus volkstümlicher Bodenständigkeit und abgründigem Unheil scheint auch auf dem Debütalbum Trauerlärm der Basler Formation Programm zu sein.

Wut statt Weltflucht

Gegründet wurde Nidelgret Anfang 2024 von ehemaligen Mitgliedern der Basler Black-Metal-Band Gravpel. Aufgenommen wurde Trauerlärm bei Marc Obrist (u.a. Zeal & Ardor) im Hutch Sounds Studio, gemischt und gemastert hat Andreas Rosczyk von den Goblin Sound Studios, bekannt durch seine Arbeit mit Ultha. Inhaltlich beschäftigt sich das Album mit Trauer, Verlust und den kollektiven Krisenerfahrungen der letzten Jahre – grosse Antworten oder Trost liefert die Band allerdings bewusst keine.

Und tatsächlich: Trauerlärm ist ein gnadenloses Album geworden. Nidelgret verzichten fast vollständig auf Verschnaufpausen, grosse melodische Bögen oder gar Hoffnungsschimmer und prügeln sich mit kalten Riffs, rasenden Drums und wütendem Geschrei durch knapp vierzig Minuten emotionalen Ausnahmezustand.

Von klassischem Atmospheric Black Metal sind Nidelgret dabei weit entfernt. Klanglandschaften, verträumte Melodien oder grosse epische Momente sucht man auf Trauerlärm fast vergeblich. Stattdessen erzeugen Nidelgret ihre Wirkung über pure Beharrlichkeit und rohe Konsequenz.

Trotz der rohen und kantigen Produktion klingt Trauerlärm dabei erstaunlich gross und mächtig. Über weite Strecken wirkt das Album weniger wie eine Sammlung einzelner Songs als vielmehr wie eine einzige riesige Klanglawine aus Wut, Lärm und Beklemmung. Besonders «Black Earth» entfaltet dabei eine fast erdrückende Wucht.

Monotone Beklemmung und elektronische Reizüberflutung

Gerade weil Trauerlärm sonst so kompromisslos durchprügelt, fallen die wenigen Ausbrüche aus der permanenten Raserei umso stärker auf. Mit «The disappointment that follows you to bed is keeping me awake» erlauben sich Nidelgret einen kurzen Ausflug in elektronische Klangwelten – entspannter wird es dadurch aber ganz sicher nicht. Der Song kippt vielmehr noch tiefer in lärmige Reizüberflutung und monotone Beklemmung hinein, während der Titel mantraartig wiederholt wird, bis er sich endgültig ins Hirn fräst. So kann man einen Ohrwurm auch definieren.

Auch wenn die Wurzeln von Nidelgret klar im rohen Black Metal liegen, erlauben sich die Basler gegen Ende der Platte doch noch einige spannendere Verschiebungen. Mit «Gazing Into Nothingness» öffnet sich gegen Schluss des Albums ein kleiner Riss im permanenten Lärm. Ab etwa Minute zwei schleicht sich eine kalte, beinahe atmosphärische Melodie in den Song, wächst langsam an und verdrängt allmählich die rohe Gewalt. Die überraschend spacigen Synth-Sounds am Ende wirken beinahe entrückt – als würde Trauerlärm nicht enden, sondern sich einfach langsam im schwarzen Nichts auflösen.

Ein Album, das nicht gefallen will

Trauerlärm ist kein angenehmes Album. Keine Platte für nebenbei, keine für den gemütlichen Feierabend und ganz sicher keine für Menschen, die bei Black Metal vor allem auf grosse Melodien oder romantische Nebelstimmung hoffen. Nidelgret setzen stattdessen auf rohe Wucht, monotone Raserei und eine beinahe erschöpfende Konsequenz – und gerade dadurch entwickelt die Platte eine unangenehme, aber faszinierende Sogwirkung.

Für Fans von Wiegedood, Spectral Wound oder generell kompromisslosem Black Metal dürfte Trauerlärm deshalb ein ziemlich spannender Einstand sein.

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Nidelgret – «Trauerlärm»

Das Album erscheint am 29. Mai 2026 bei Frozen Records und Noise-Induced Hearing Loss und kann dort bestellt werden. Die Produktion wurde unterstützt durch den RegioSoundCredit 2025/1

Verlosung

Wir verlosen ein Exemplar der Vinyl!

Nidelgret

Nidelgret 2025 zVg
Nidelgret 2025 zVg
28/02/2025

Ehemals Gravpel

Beiträge:

4000 CHF I RegioSoundCredit Tonträger I 2025
 

About Lucy Werlen

Lucy ist seit über 15 Jahren in der Schweizer Musikszene unterwegs, sei es als Vokalistin bei verschiedenen Metal-Projekten oder hinter den Kulissen bei Events, Vereinen und Verbänden.