Panda Lux - Herz: Ein fassbarer Neuanfang

Release Reviews
Panda Lux © Sina Meyer, 2026
Panda Lux © Sina Meyer, 2026

Im vierten Album von «Panda Lux» pocht ein lautes «Herz». Das Quartett ist mit neuen Liedern und verstärktem Popgedanken zurückgekehrt und lässt uns mit Wolken schweben.

Album Review

Als Kind habe ich mir vorgestellt, dass wir Menschen auf Wolken gehen und diese anknabbern können. Wie Zuckerwatte, süsslich lecker und weich. Heute bin ich mir sicher, dass die ungreifbaren Verbindungen aus Wasserdampf sich nicht für Spaziergänge am Himmel eignen – umso mehr als Grundlage für Wunschdenken und Projektionen der Sehnsucht.

Feste Form

Panda Lux schliessen hier mit ihrem Album «Herz» an. Das Quartett zur Hälfte bestehend aus Wahlbaslern ist mit dem vierten Studiowerk zurückgekehrt, das erste seit «Blumen I-IX» von 2022. Aber was sind schon vier Jahre, zwischen der Bandgründung und dem Release des Debüts «Versailles» lagen schliesslich deren zehn.

Damals gab es Indie-Pop mit draufgängerischer Ausstrahlung, beim Besuch im «Zoo» von 2018 wurden die ersten Shots in der «Bar Franca» getrunken. Das war Musik, die nicht nur perfekt an alternative und progressive Festivals passte, sondern die Songs von Samuel Kuntz, Silvan Kuntz, Janos Mijnnsen und Moritz Widrig fassbarer machte. 2020 zum Album «Fun Fun Fun» erweitert, mit lakonisch-nachdenklichem Lächeln im Gesicht.

Der darauffolgende Blumenstrauss war ein erneutes Freikämpfen mit Remixes, Gastbeiträge und Genre-Hopping – etwas verzettelt, dafür kreativ und suchend. Als ob du Gewitterwolken bei der Formation zuschauen würdest. Dieser Wagemut machte sich bezahlt, denn mit «Herz» ist ein Album gelungen, das gefestigt klingt und den Panda Lux-Klang mit Profil ausstattet.

Flüssige Gedanken

Für Panda Lux selber war es nicht sicher, dass dieses Vorhaben gelingen würde. Nach der Schaffenspause mussten die vier Musiker zuerst wieder lernen, was es bedeutet, gemeinsam an Kompositionen zu arbeiten und für was ihre Band stehen soll. Mit Unterstützung von Produzenten Aaron Ahrends (Von Wegen Lisbeth, Catt, Say Yes Dog) und der relativen Abgeschiedenheit des Süden Frankreichs in den Black Box Studios gelang das.

Aus den umherziehenden Gedanken und Sounds wurde eine Platte, alternativer Indie-Pop mit durchdachter Garderobe. Die Klangfarben wurden beibehalten, die Lust am ungewohnten Weg von Melodie und Instrumentierung ebenfalls. Von den ersten Takten bei «Wolke 7» über das rhythmisch aufregende «Wir zwei» bis zum sehnsüchtigen «Glut» herrscht auf «Herz» ein Fluss.

Elektronische und analoge Klänge gibt es zu hören; Synthesizer und Gitarren – Texturen und Flächen füllen den Raum angenehm aus. Dazu stets der menschliche, verletzlich wirkende Gesang, der sich aus den Liedern schält und alle Emotionen gelungen transportiert. Hier werden deine Wünsche, Sorgen und Gedankengänge aufgenommen und ergänzt.

Wolken zur Begleitung

Früher empfand ich die Musik von Panda Lux als schwer greifbar, wie eine Wolke halt, zwischen den Fingern hindurchschlüpfend. Mit ungewohntem Songwriting und ungebändigter Experimentierlust spielten sie sich von Album zu Album in neue Formen. Diese Ästhetik und gewisse Distanz in der Aura gibt es auf «Herz» weiterhin zu spüren, aber nur im Hintergrund.

Die vier Freunde spielen mit frischer Lust, mit klarer Linie und ausgereiften Ideen. Bestes Beispiel sind Lieder wie «Therapie» oder «Aufgewacht», die sich nicht sperren und dir mit offenen Armen entgegentreten. Dieser Pop ist kein Fundament, aber deine Begleitung, deine Leinwand für Herzensangelegenheiten. Wenn du näherkommst merkst du, dass es verdächtig nach Zuckerwatte riecht. Auf diese Wolken kannst du setzen.

Panda Lux - Herz, 2026
Panda Lux - Herz, 2026

Panda Lux - Herz

Die EP ist am 30. Januar 2026 bei Mouthwatering Records erschienen und kann im Webshop gekauft werden. Die Produktion wurde unterstützt durch den RegioSoundCredit 2024/3.

Live (weitere Shows auf der Website)

  • 27.02.2026 Schüür, Luzern
  • 05.03.2026 Albani, Winterthur
  • 06.03.2026 Gaskessel, Bern
  • 07.03.2026 Kaserne, Basel
  • uvm. 

Verlosung

Wir verlosen ein Exemplar der schönen Vinyl: Button klicken, Mail ausfüllen, gewinnen!

Panda Lux

Panda Lux © Sina Meyer, 2026
Panda Lux © Sina Meyer, 2026
04/02/2026

8 000 CHF | RegioSoundCredit Tonträger | 2024
 

Über Michael Bohli

Michael Bohli lebt in Zofingen und ist gelernter Zeichner im Bereich Architektur. Die Liebe zur Musik wurde ihm in die Wiege gelegt, bis heute lodert das Feuer. Über seine Leidenschaft zur Kultur schreibt er seit längerer Zeit, etwa von 2015 bis 2022 für das Musikmagazin ARTNOIR und seit 2023 mit seinem eigenen Kulturmagazin Phosphor.

Zentral ist die Suche nach interessanten, ungewohnten Klängen, fesselnden Personen und Horizonterweiterungen.