Preppers – Guest Room: Eine halbe Stunde Post-Apokalypse
Auf ihrem zweiten Album «Guest Room» lädt uns die Basler Formation «Preppers» in das Gästezimmer ihrer post-apokalyptischen Kommune ein. Erstmals mit Gastmusiker*innen flirtet das Trio erneut mit den Grenzen des Aushaltbaren und präsentiert uns ein grossartiges halbstündiges Musikerlebnis zwischen hypnotisch-treibenden Rhythmen und ohrenbetäubendem Noise.
Noé Herrmann
Das dreiköpfige Kernteam und Hirn der Preppers ist ein über zwei Jahrzehnte trainierter Muskel: der Künstler Samuel Tschudin (Gitarre), der Filmemacher Miro Widmer (Drums, Perkussion) und der Berufsmusiker Pio Schürmann (Keys, Bass-Synthesizer) haben bereits in den Nullerjahren mit ihrer Post-Hardcore-Band «The Sound Rebellion» von sich hören lassen. Damals noch mit einem Bassisten, musikalisch etwas konkreter und etwas weniger experimentell als heute, aber schon seinerzeit mit einem starken Hang zum Noise. Dieser manifestierte sich damals noch mehrheitlich an ihren Live-Shows, zwischen den Songs – in Form von gefühlt viertelstündigen Lärm-Passagen.
In den Zehnerjahren folgte das spektakuläre Folgeprojekt «Zaperlipopette!». Dasselbe Kernteam, maskiert und verkleidet, mit bizarrer, maximalistischer Bühnenperformance, bunten Plastikbällen, Luftschlangen, Ballons und skurrilen Texten auf absichtlich schlechtem Französisch. Der Sound wurde experimenteller: Math-Rock im Kern, kindliche Wohlfühl-Melodien und harte Gitarrenriffs auf verhackten, komplexen Beats. Neu bei «Zaperlipopette!» war, dass sich die Basis-Band nun fortan mit Gastmusiker*innen umgab.
Der Noise als ständiger Begleiter
Mit ihrem aktuellen Projekt Preppers ist sich das Trio von der Attitüde her treu geblieben, hat den Spiess musikalisch aber umgedreht: Die Beats sind nicht mehr zerstückelt, sondern mehrheitlich treibend, meditativ und repetitiv. Hingegen sind die Wohlfühl-Melodien brachialen Soundscapes aus Gitarre, verzerrten Vocals, elektronischen Klängen und Saxofon-Noise gewichen, die ein willkommenes Gefühl von Stress und Unbehagen auslösen. Den Grundstein für diese neue Sound-Ära hat die Band bereits 2023 mit ihrem Erstlingswerk «Ripples» gelegt. Neu ist der Sound der drei Gastmusiker*innen, die dem Preppers’schen Klanguniversum noch ein paar weitere Farbtöne verpassen.
Zu Gast in der Post-Apokalypse
Eröffnet wird das neue Album «Guest Room» vom sechsminütigen Song «Jura». Motorisches Trommeln, das von einer Wand aus Synth-Bass, Gitarre und elektronischen Akkorden überrollt wird, die sich bis ziemlich genau in die Mitte des Tracks stetig aufbaut. Die zweite Halbzeit des Songs beginnt mit synchronen Schlägen, die sich kontinuierlich zu von Feedback-Noises verrissenen, groovy und tanzbaren Beats verwandeln.
Weiter geht’s mit «Terrible Two», einem mit seinen zweieinhalb Minuten verhältnismässig kurzen Song, der unbequeme Flageolett-Klänge mit Industrial-Beats, deformierten Vocal-Einlagen und (free-)jazzigen Saxofon-Geräuschen meisterhaft miteinander kombiniert.
Der Song «Looney» ist ein Spezialfall: die Grundstruktur stammt aus dem Archiv von Daniel Steiner, einem der Gastmusiker, der zu Zeiten von «The Sound Rebellion» noch bei der laufentaler Band «Lamps of Delta» als Bassist und Gitarrist tätig war. Eine eingängige Melodie, die sich zu Beginn mit einem perkussiv-tanzbaren Beat paart, sich zu einem vergleichsweise «normalen» Punk-Groove entwickelt und mit einem für härtere Gitarrenmusik typischen Breakdown endet.
In der Mitte des Albums angelangt, laden die Preppers wieder zum Tanz: Auf «Don’t Feed the Cat» treffen technoide Sounds auf einen treibenden Off-Beat und zur Unkenntlichkeit verzerrte Stimmen auf Sax-Melodien. Abgerundet von einem ausufernden Noise-Outro, das der Schluss eines Grunge-Konzerts sein und gleichzeitig Dämonen aus der Unterwelt heraufbeschwören könnte.
Der fünfte Song «Blindschleiche» erinnert stark an die Songs des ersten Albums «Ripples». Ein Lied, das ich als typisch für den Sound von Preppers bezeichnen würde: die Basis hypnotisch-treibend, perkussiv und groovy, unterlegt mit einem Teppich aus drone-artigen Klangwelten und einem beständigen Aufbau, der in einer Ekstase aus brachialem Lärm endet. Ganz grosses Tennis!
Wie Frank Zappa angeblich einmal sagte: «Über Musik zu schreiben ist wie zu Architektur zu tanzen.» Besonders herausfordernd, wenn die Musik ungewöhnlich und instrumental ist. Dieser Satz fiel mir ein, als ich begann, die Songs auf «Guest Room», insbesondere den zweitletzten Song «Cache Cache», zu beschreiben. Das erste Drittel klingt ein bisschen, als hätte man ein kurzes Segment aus einem «At the Drive-In»-Song geloopt. Nach einem abrupten Schnitt erklingt ein techno-artiger Schlagzeug-Beat, der sich von teils rhythmischen, teils lärmigen Gitarren- und Synth-Sounds bis ans Ende des Songs zieht.
Zu Schluss des Albums geben sich die Preppers dann wieder etwas entspannter. Abgesehen von den omnipräsenten (gewollten!) Stör-Geräuschen ist der Schluss-Track «Swamp Ballad» ein vergleichsweise langsamer, warm und fröhlich klingender Song, dessen Synth-Akkorde entfernt an Stücke von «Fatboy Slim» erinnern. Wäre da nicht dieser Noise(!), der den Sound von «Preppers» zu einem neuen, unvergleichbaren Erlebnis macht.
Noise Rock eben – aber anders
Das Album «Guest Room» ist nicht für Jedermensch – und will es auch nicht sein. Selbst das auf harte, experimentelle Musik geschulte Ohr wird oft herausgefordert: Es werden Grenzen ausgetestet, Experimente gewagt und dadurch neue musikalische Welten erschlossen. In einer Weise, die – anders als bei vielen anderen Artists aus dem sogenannten Noise Rock – nicht nur provozieren und anecken möchte, sondern durch ihren Groove und ihren repetitiven Charakter zum friedlichen Tanzen und Meditieren einlädt.
Die Ergänzung des original Trios durch die Gastmusiker*innen Eva Karbacher (Saxofon), Daniel Steiner (Gitarre, Kehlkopfmikrophon) und Yanik Soland (Modular Synthesizer, Voice Transformer) machen den ohnehin schon beispiellosen Sound von Preppers noch spezieller, noch unverwechselbarer, noch geiler.
Preppers - Guest Room, 2026
«Guest Room» wurde im Januar 2026 von Marc Obrist bei Hutch Sounds in Oberwil aufgenommen, gemischt und gemastert. Es erscheint am 12. Juni 2026 digital und auf Vinyl.
Letzteres mit einem wunderschönen, vom Basler Grafiker und Siebdrucker Silas Heizmann gestalteten und aufwändig von Hand gedruckten Album-Artwork. Ein Grund mehr, sich das Album auf Platte zu kaufen – oder hier an der Verlosung teilzunehmen!
Die Produktion wurde unterstützt durch den RegioSoundCredit 2024/2.
About Noé Herrmann
Noé Herrmann (*1989 in Basel) ist selbstständiger Grafiker und seit vielen Jahren in der Basler Musikszene aktiv und vernetzt. Er steuert regelmässig Designs für lokale Bands, Künstler*innen und Kulturinstitutionen bei, war langjährigen Moderator der Sendung «BSounds» auf Radio X und sitzt bei der Tropical Grunge-Band «Retromorcego», der Emo-Band «Mild Crush» und der Pop-Funk-Band «Fraîche» am Schlagzeug.